Gedanken zur Hauskirchenbewegung

Für Menschen, welche herkömmliche Frei- und Landeskirchen verlassen haben, sind oft Hauskirchen eine Alternative. Als eines der Hauptargumente wird angeführt, dass diese dem biblischen Vorbild von Gemeinde (besser) entsprechen als traditionelle Gemeinden. Wenn ich in die „Hauskirchen-Landschaft“ blicke, fällt mir auf, dass es auch hier grosse Abweichungen zur Gemeinde gibt, wie sie in der Bibel beschrieben wird. Die Hauskirchen-Bewegung oder auch einzelne Netzwerke stehen in Gefahr zu einer neuen Denomination zu werden.

Im Neuen Testament wird sehr wenig über Struktur und Organisation geschrieben. Viel mehr geht es darum, wie unsere Beziehungen aussehen sollen. Hauskirchen-Leute wissen oft genau, zu welcher Hausgemeinde und zu welchem Netzwerk sie gehören. Das Wort „Hausgemeinde“ oder „Hauskirche“ existiert im biblischen Vokabular nicht. Die Formulierung „Gemeinde in ihrem Haus“, wie sie z.B. in 1. Korinther 16,19 zu finden ist, lässt eher gelebte Beziehungen vermuten als eine klar definierte Gruppe von Christen.

Auch bezüglich Leiterschaft gibt es für mich Fragen. Braucht eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam Jesus nachfolgen will, einen Leiter? Jesus selbst hat seine Jünger nach drei Jahren verlassen, ohne einen Leiter zu bestimmen – im Gegenteil:

Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn einer ist euer Meister, der Christus; ihr aber seid alle Brüder. Nennt auch niemand auf Erden euren Vater; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Auch sollt ihr euch nicht Meister nennen lassen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Grösste aber unter euch soll euer Diener sein.
(Matthäus 23, 8 – 11)

Die Funktion „Hausgemeindeleiter“ oder „Netzwerkleiter“ stammt nicht aus der Bibel. Paulus hat Älteste eingesetzt, aber keine Gemeindeleiter. Diese Ältesten werden in der Apostelgeschichte und den Briefen als Vorbilder beschrieben. Ausserdem hat Paulus diese Menschen oft erst nach einiger Zeit eingesetzt. Christen an einem Ort lebten teilweise also auch ohne Älteste.

Auch apostolische Teams oder einen organisierten fünffältigen Dienst finde ich nirgends in der Bibel, schon gar nicht mit Leitungsaufgaben. Die in Epheser 4,11 aufgeführten fünf Dienste haben keine Vorgesetzten-Funktion, sondern sind Gottes Geschenk an die Gläubigen.

Auch in Hauskirchen wird das Gemeindeleben oft durch ein Programm bestimmt, auch wenn dies meist etwas einfacher gestaltet ist als Programme grösserer Gemeinden. Bei den ersten Christen hiess es nicht: „Unsere Hauskirche trifft sich immer am Dienstag und an jedem zweiten Sonntag.“ In Apostelgeschichte 2, 46 heisst es, dass die Christen „jeden Tag“ zusammen waren. Wir können uns das heute nicht vorstellen, vor allem, wenn wir Gemeinde als fixe Gruppe, die immer komplett anwesend sein soll, betrachten.

Hauskirchen, die sich von herkömmlichen Gemeinden nur dadurch unterscheiden, dass sie sich in Häusern statt in Kirchen oder Sälen treffen, stehen in ähnlicher Gefahr, wie die Christen in Galatien:

So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!
(Galater 5, 1)

Struktur, Organisation, klar bezeichnete Leiter und Programm können einem Sicherheit vermitteln. Diese Sicherheit durch ein System verhindert aber oft, dass die von Jesus versprochene Freiheit erlebt werden kann. Setzt du dein Vertrauen auf ein funktionierendes System oder auf Jesus Christus?

Jürg

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Jürg

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